Kloster Denkendorf

Kloster Denkendorf, Basilika - © Traudi Kloster Denkendorf, Basilika - © Traudi

Auf dem heutigen Klosterberg oberhalb des Körschtals, entstand zwischen 1050 und 1100 eine Kirche, die dem hl. Pelagius geweiht war.

Der Ortsherr von Denkendorf, der Besitzer dieser Kirche war, pilgerte 1128 nach Jerusalem, um in der Grabeskirche zu beten. Dort stiftete er seine Kirche dem Chorherrenorden vom Heiligen Grab, der dem Patriarchen von Jerusalem unterstand.

Der Patriarch sandte daraufhin einen Chorherren nach Denkendorf. Er soll dort eine Niederlassung des Ordens der Brüder vom Heiligen Grab gründen.

So entstand das Kloster. Die erste Urkunde über die neue Gründung stammt aus dem Jahr 1129.

 

Bis zum Jahr 1200 war der Orden durch Schenkungen wohlhabend genug geworden. So wurde die alte Kirche abgerissen bis auf den Turm. Er ist heute der älteste erhaltene Teil. In den nächsten 50 Jahren wurde die neue Kloserkirche gebaut.

Kloster Denkendorf, Krypta, leeres Grab - © Traudi Kloster Denkendorf, Krypta, leeres Grab - © Traudi

 

Nun sollte in der neuen Kirche ein Raum entstehen, in dem die Verbundenheit der Chorherren mit ihrer Mutterkirche, der Grabeskirche in Jerusalem, zum Ausdruck kommen konnte.

So entstand die Krypta.

Am leeren Grab feierten die Ordensbrüder wie am Heiligen Grab in Jerusalem den Tod und

die Auferstehung Jesu.

 

Kloster Denkendorf, Krypta, Wandmalerei - © Traudi Kloster Denkendorf, Krypta, Wandmalerei - © Traudi

 

 

 

 

 

Wandmalerei des 15. Jahrhunderts:

 

rechts: St. Martin

 

links oben: das Grabmahl des Herodes

 

links unten: Enthauptung Johannes des Täufers

Kloster Denkendorf, Schlussstein in der Vorhalle - © Traudi Kloster Denkendorf, Schlussstein in der Vorhalle - © Traudi

 

Das Kloster geriet nach der Stauferzeit in die Machtkämpfe zwischen der Reichstadt Esslingen und den Grafen von Württemberg.

Nach der Zerstörung von den Esslingern im Jahr 1377 erholte sich das Kloster nur mühsam. 

Später übernahmen die württembergischen Landesherren für immer die Schirmvogtei. Erst jetzt konnten die Chorherren an einen dauerhaften Wiederaufbau denken.

 

Zwischen 1449 und 1508 wurden Kapitelsaal und Kreuzgang, zu dem auch das südliche Seitenschiff der Kirche gezogen wurde, in spätgotischem Stil neu erbaut.

Kloster Denkendorf, Grabplatten in der Vorhalle - © Traudi Kloster Denkendorf, Grabplatten in der Vorhalle - © Traudi

 

In der Vorhalle der Klosterkirche sind die letzten Pröpste vor der Reformation auf Grabsteinen abgebildet.

 

 

 

linke Abbildung:

Johannes Unger (1508-1516)

 

rechte Abbildung:

Martin Altweg (1516-1521)

 

 

 

Diese mächtigen Pröpste waren zusammen mit Peter Wolff (1477-1508) Ratgeber des Herzogs, aber auch persönlich eng mit dem Haus Württemberg verbunden.

 

Sie bereicherten das Kloster und die Kirche um manche Kostbarkeit. Beispielsweise ließen sie am Fensterbogen der Krypta Fresken malen aus dem Leben ihrer Schutzheiligen, Johannes des Täufers und des hl. Martin.

 

 

Im Jahr 1806 erklärte der erste württembergische König, Friedrich I., das ganze Kirchengut zu staatlichem Besitz.

Der Staat, der nun alle Güter und Rechte des Klosters übernahm, wusste mit den alten Gebäuden nichts anzufangen.

Es wurde versucht, eine Runkelrübenzuckerfabrik, eine landwirtschaftlichen Schule und einer Senffabrik einzurichten, was jedoch fehlschlug.

Bis 1838 ging das Kloster durch mehrere Hände, bis der Fabrikant Friedrich Kauffmann aus Esslingen eine Senf- und Likörfabrik darin errichtete. Die Familie Kauffmann bemühte sich sehr um die Erhaltung des Klosters und blieb in ihren Händen bis 1905.

Der "Kauffmann Klostersenf" blieb bis in unsere Zeit der Markenname.

 

Der Staat erwarb nun die Gebäude zurück.

Im "Dritten Reich" benützte die NSDAP die Räume des Klosters; nach dem Krieg waren Flüchtlinge darin untergebracht.

Kloster Denkendorf, Kirche Seitenansicht mit Klostergarten - © Traudi Kloster Denkendorf, Kirche Seitenansicht mit Klostergarten - © Traudi

Um 1948 kaufte die Evangelische Landeskirche die Klostergebäude und gründete in ihnen das Evangelische Diakonieseminar Denkendorf, das von 1950 bis 1972 der Ausbildung von Gemeindehelferinnen und Katechetinnen diente. Seit 1972 befindet sich im Kloster die Landeskirchliche Fortbildungsstätte für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im gemeindebezogenen Dienst.